Schwerpunktaktion 2008/09 von Berufsgenossenschaften, Unfallkassen und DVR. Bundesweite Aktion zur Sensibilisierung der Unfallsituationen in Städten und Gemeinden. Autofahren im Alter – Mobilität und Gefahrensituation.

Aktion Innerorts - Raum für alle ?!Bild1Dresden (pb): Unter dem Motto „Innerorts – Raum für alle!?“, so Marion Pieper-Nagel, Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR), greifen die gewerblichen Berufsgenossenschaften, die Unfallkassen und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) ein Thema auf, das jeden Verkehrsteilnehmer betrifft: die Unfallsituation in Städten und Gemeinden.
Nirgendwo bewegen sich so viele unterschiedliche Verkehrsteilnehmer auf so engem Raum wie in Ortschaften. Fußgänger, Radfahrer, Kinder, Auto- und LKW-Fahrer, Busse und Motorradfahrer teilen sich diesen Verkehrsraum
Insgesamt wurden 2007 auf deutschen Straßen 451.867 Menschen verletzt, 4.958 Personen verloren ihr Leben und 66 % aller Unfälle ereigneten sich in geschlossenen Ortschaften. 27 % der Getöteten starben auf Straßen innerorts. Stress, Lautstärke, Ablenkung und unübersichtliche Verkehrssituationen, dazu kommt womöglich noch schlechtes Wetter – dieses und noch einiges mehr wirkt sich auf alle Verkehrsteilnehmer aus. Hinzu kommen aber auch besondere Konfliktzonen, wie zum Beispiel Straßenkreuzungen und Einmündungen. Trotz Ampelregelungen, Schildern und klarer Vorfahrtsregeln ereignen sich 60 % aller Innerortsunfälle an Kreuzungen. Auffallend ist, dass die Unfälle nicht aus Unkenntnis resultieren, sondern aus der falschen Einschätzung der Situation.
An dieser Stelle setzt die Schwerpunktaktion an und vermittelt Informationen und Tipps für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr – egal, ob jung oder alt, auf zwei oder vier Rädern. Für diese Schwerpunktaktion werden klassischen Medien wie Info-Faltblätter für die Versicherten, Plakate, Anzeigenvorlagen sowie eine CD-ROM eingesetzt. Sie enthält neben Textdateien auch einen informativen und unterhaltsamen Audio/Grafikteil sowie ein bewährtes Gewinnspiel. Ausführliche Schulungsmaterialien für die betriebliche Fortbildung und die eigene Wissenserweiterung sind hier ebenfalls zu finden.
Unter www.innerorts-raum-für-alle.de gibt es umfassende Hintergrundinformationen,  ein interaktives Spiel sowie aktuelle Ergänzungen zum Thema „Innerorts“.
Die BG/UK/DVR-Schwerpunktaktion beginnt am 1. September 2008 und endet mit dem Einsendeschluss für das Preisausschreiben am 31. März 2009.

Ortseingangstafel Bild2Ortsdurchfahrten – so Dr. Reinhold Baier, BSV Aachen – stehen in einem besonderen Spannungsfeld aus den Ansprüchen des durchfahrenden Kfz-Verkehrs und den Anforderungen an ein lebenswertes Wohnumfeld. Die Bedeutung für den überörtlichen Verkehr ist angesichts der Qualität des gesamten Straßennetztes sehr unterschiedlich: manche Bundesstraße oder Landesstraße übernimmt weiträumige Verbindungsaufgaben, manche hat diese Funktion längst verloren und ist daher gering belastet. Bei aller Differenzierung der Randbedingungen zeigen sich ähnliche Probleme, insbesondere bezüglich der Verkehrssicherheit: zu hohe Geschwindigkeiten, fehlende oder unzureichende Radverkehrsführung und ungesicherte Überquerungen fürInnerorts verkehrsberuhigter Raum Bild 4 Fußgänger und Kinder. Die Lösungsansätze mit den dazugehörigen Elementen sind bekannt und zwischenzeitlich auch in die „Richtlinien für die Anlagen in Stadtstraßen (RASt 06)“ eingeflossen. Dabei ist die bewusste Gestaltung der Seitenräume, das Herausarbeiten von Überquerungsstellen und Platzbereichen auch ein deutliches Zeichen an die Kraftfahrer, dass sie einen Lebensraum durchfahren. Also: Augen auf und aufmerksam durch!
Sichere Mobilität im Alter? Über die Probleme älterer Verkehrsteilnehmer in Städten und Gemeinden referierte Prof. Dr. Bernhard Schlag, Technische Universität Dresden, Verkehrspsychologie.
Ab dem Jahre 2030 wird in vielen europäischen Ländern jeder Vierte mehr als 65 Jahre alt sein. Bis 2050 wird sich hier der Bevölkerungsanteil der über 80-Jährigen von heute 4% auf über 12% der Bevölkerung verdreifachen. Für Deutschland wird sogar einen Anstieg des Anteils der über 80-Jährigen auf 18% der Bevölkerung vorausgesagt. Viele Anforderungen im Straßenverkehr, die 65-Jährige ohne Probleme bewältigen, bereiten 80-Jährigen Probleme.
Da die Entwicklung im Alter regelmäßig einige Veränderungen in den sensorischen, kognitiven und motorischen Leistungsfähigkeiten bereit hält, die für eine sichere Fahrzeugführung bedeutsam sind, wird befürchtet, dass sich vermehrte und veränderte Verkehrssicherheitsprobleme ergeben werden. Wie steht es tatsächlich um die Mobilität und das Unfallrisiko Älterer?
Mobilität und vor allem ein eigenes Kraftfahrzeug symbolisieren Unabhängigkeit, Erlebnisreichtum und Aktivität. Tatsächlich sind ältere Menschen nicht die auffälligste Gruppe in der Straßenverkehrsunfallbilanz; die Entwicklung verlief jedoch bereits in den letzten Jahren deutlich ungünstiger als für andere Altersgruppen (Disco-Unfälle, 18-27 Jährige). EsÄltere Radfahrer, gefährdete Gruppe Bild3 gibt aber eine Teilgruppe älterer Menschen, die viel Fahrrad fährt. Diese Gruppe ist einem hohen Risiko ausgesetzt.
Typisch für ältere Kraftfahrer sind Unfälle in Kreuzungen und Einmündungen, bei denen sie die Vorfahrt missachten. Drei Viertel der von älteren Fahrern verursachten Unfälle geschehen in Knotenpunkten durch Fahrfehler bei der Vorfahrtregelung, beim Abbiegen und Einfahren und gegenüber kreuzenden Fahrzeugen und Fußgängern.
Problemzone Kreuzungsbereich innerorts Bild5Problembereiche: Nachlassendes Sehvermögen, bei Dämmerung und Dunkelheit, Fern/Nah-Tagessehschärfe, dynamische Sehschärfe, Akkomodationsfähigkeit (nah/fern), Adaptationsfähigkeit (hell/dunkel; nach Blendung).Verringerte Fähigkeit zu Mehrfachtätigkeit und zu selektiver und geteilter Aufmerksamkeit, leichter ablenkbar, vermindertes Leistungstempo: Von Sinnesempfindungen über die Verarbeitung der Informationen und das Entscheiden bis zur motorischen Handlungsausführung. Erhöhter Zeitbedarf Älterer: Handlungen wirken teilweise zögerlich und unsicher; Bei Zeitdruck werden mehr Fehler gemacht. Verringerte körperliche Beweglichkeit und Belastbarkeit, besondere Relevanz für Fußgänger und Radfahrer. Schnellere Ermüdbarkeit und langsamere Rekreationsfähigkeit. Bei komplexen Leistungsanforderungen steigt die Gefahr einer kognitiven oder motorischen Überforderung vor allem dann, wenn diese schnell geleistet werden müssen. Die Bewältigung neuer Aufgaben und sich schnell wandelnder Situationen fällt schwerer. Häufigere Erkrankungen und vermehrter Medikamentengebrauch, gleichzeitig verlangt der Alternsprozess starke Adaptationsleistungen.
Wo lässt sich ansetzen? Wie können die Rahmenbedingungen den Anforderungen Älterer besser gerecht werden und was können die Älteren selbst leisten? Z.B.:
– Präventive Maßnahmen zur Minderung der Mobilitäts- und Sicherheitsprobleme älterer Menschen:
– Bedarfsgerechte Raumplanung, die Erreichbarkeit und Teilhabe auch für die Älteren sicherstellt
– Anpassung der Verkehrswege und des Verkehrsumfeldes an die Belange älterer Fußgänger, Rad- und Autofahrer;
– Anpassung der öffentlichen Verkehrssysteme, die Mobilitätschancen gerade für ältere Menschen erhalten: Transportalternativen machen unabhängig;
– Anpassung von Verkehrsregelungen und Fahrgeschwindigkeiten an die Möglichkeiten älterer Menschen;
– Fortbildungs- und Trainingsangebote für Ältere zur Unterstützung ihrer Leistungsfähigkeit, Mobilität und Gesundheit (wie sie der DVR anbietet);
– Information und Gewinnung der Partner im Straßenverkehr für die Belange älterer Menschen, um die Interaktionen im Straßenverkehr günstiger zu gestalten.
Foto (5): DVR