Die „Rennpappe“ Trabi mit Duroplast-Karosserie und Zweitaktmotor. Auch der Trabant lief und lief im Osten, wie im Westen der VW Käfer.

Zwickau/Schwerin: Am 7. November 1957 erblickte der Zwickauer Trabant als P 50 das Licht der Automobilwelt. Vom Vorgänger P 70, der nichts anderes als ein DKW F8mit Plast-Karosserie war, übernahm er den aus Phenolharz und Textilresten gepressten Karosserie-Werkstoff. Er erhielt einen luftgekühlten Zweizylinder-Zweitaktmotor. Die Autobauer aus Chemnitz und Zwickau waren damals froh, keinen Kabinenroller sondern einen „richtigen“ Kleinwagen auflegen zu können. In den 34 Jahren seines Bestehens durfte der Trabant aber nur in sehr engen Grenzen weiterentwickelt werden. Größter Schritt war dann der Sprung vom P 50 zum P 601. So letztlich musste das veralterte Auto selbst Ende der 80ziger Jahren trotz „Herzschrittmacher“ in Form eines VW-Viertaktmotors unverändert vom Band laufen. Retten konnte ihn das neue Antriebsorgan allerdings auch nicht mehr.

Der Trabant

1.000.000. Trabant, Automuseum Zwickau; Foto: P. Bohne

Vor nunmehr 26 Jahren, am 30. April 1991, lief der letzte Trabant in Zwickau vom Band – ein Trabant 1.1 Universal (Kombi) in der Farbe pink. Sein Weg war kurz, aus der Fabrikhalle vom Band direkt ins benachbarte Automobilmuseum.
Die Trabant-Wiege stand in Zwickau, seine Vorfahren waren IFA F8 und P70. Am 7. November 1957 wurde der Trabant erstmals öffentlich vorgestellt, mit Frontantrieb, 500 ccm luftgekühlter Zweizylinder-/Zweitaktmotor, 18 PS und Duroplast-Karosserie. Es folgte eine Null-Serie von 50 Fahrzeugen, am 10. Juli 1958 lief die Serienproduktion an. Der staatlich verordnete Verkaufspreis betrug 7.450,-

Mark. Im Laufe der Zeit stieg die Motorleistung auf zunächst 20 PS (P50/1), dann mit 600 ccm auf 23 PS (P60 ab 15. Oktober 1962) und bis zum Schluss der Zweitakt-Ära auf 26 PS (P601). Geschaltet wurde sein 4-Gang-Getriebe per „Krückstockhebel“, ab P50/2 war das Getriebe synchronisiert. Eine Hycomat-Kupplung (ähnlich Saxomat) gehörte ab 1965 zur Ausstattungsoption. Der Limousine folgte 1960 ein Kombi mit dem Namen „Universal“, später ein offener Kübel für NVA und Forstwirtschaft. Ab 1978 fertigte der VEB Sachsenring Zwickau dann den Kübel auch in ziviler Version „Tramp“. Im stillen Kämmerlein wurde so manche Weiterentwicklung betrieben und es entstanden immer wieder

 

Prototypen wie der Trabant 610, für die aber in der DDR-Wirtschaft keine „Einordnung“ sich fand. Auch ein zusammen mit Skoda entwickeltes Gemeinschaftsauto scheiterte letztlich an

Trabant Tramp, P50 und P601; Foto: P. Bohne

nicht bewilligten Mitteln. Die Wartezeit zum Kauf eines Trabant steigerte sich auf bis zu 14 Jahre, die Unzufriedenheit der Bevölkerung nahm stetig zu. Zunahm auch der Verkaufspreis des Trabant, kostete der P60 1965 noch 7.850,- Mark der Deutschen Notenbank (Limousine Standard), der Universal 9.300,- Mark, so waren 1989 schon rund 13.000,- für die Limousine und fast 14.000,- für den Universal fällig. Die Limousine Trabant 1.1 mit Viertaktmotor (1,1-Liter, 40 PS) kostete dann bereits 19.865,- (1990), nach der Währungsunion im September `90 stolze 10.887,- DM. Im Zeitraum von 1957 bis 1990 liefen 131.435 P50“, 106.628 P60“ und 2.821.391 „P601“ vom Band. Hinzu kamen noch 39.474 Trabant 1.1 mit VW-Lizenzmotor. Von den mehr als drei Millionen gebauten Trabant waren vor 10 Jahren noch 52.400 in Deutschland zugelassen, heute sind nur noch 34.449 (in M-V 2.766) lt. KBA-Bericht zugelassen. Heute ist der kleine Zweitakter aus Zwickau ein Kult-Auto. Sein Name bezog sich damals im Jahre 1957 auf den ersten Sputnik. Der „große Bruder“, die UdSSR, hatte gerade den ersten Satteliten (Trabanten) am 04. Oktober 1957 auf eine Erdumlaufbahn geschossen. Trabant: Der Volksmund nannte den Kleinen auch „Rennpappe“, „Plastebomber“, „Kugelporsche“, „Asphaltblase“, „Fluchtkoffer“. Sein Lieblingsname war aber immer „Trabi“ und dies wird sich noch lange Zeit halten.