DEKRA Zukunftskongress Nutzfahrzeuge in Berlin widmete sich der Entwicklung der Nutzfahrzeug-Technologie der nächsten zehn Jahre.  

Berlin (pb): Beim ersten DEKRA Zukunftskongress Nutzfahrzeuge am 06./07. Oktober 2015 in Berlin bildete neben der Ladungssicherung und der Telematik vor allem die Nutzfahrzeug-Technologie den zentralen Schwerpunkt. Im Fokus der Vorträge und Diskussionen von rund 250 Experten und Praktikern aus Industrie, Forschung und Politik standen insbesondere Themen wie Fahrzeugsicherheit, autonomes Fahren, Kraftstoffeinsparung, Schadstoffemissionen und alternative Antriebe.

Er stinkt, ist laut, verpestet die Umwelt, verursacht Staus und ist eine Gefahr für die Verkehrssicherheit auf den Straßen: Dieses Negativ-Image haftet dem Lkw in der Öffentlichkeit auch heute noch an. Völlig zu Unrecht, wie der erste DEKRA Zukunftskongress Nutzfahrzeuge eindrucksvoll unter Beweis stellte. Der zweitägige Kongress machte deutlich, in welchen Bereichen dabei die meisten Fortschritte erzielt wurden und wo zum Beispiel in Sachen Verbrauch, CO2-Emissionen oder Fahrsicherheit weitere Potenziale liegen.

Faszinierende technologische Entwicklung

Matthias Wissmann; Foto: DEKRA

Matthias Wissmann; Foto: DEKRA

Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, wies auf die Fortschritte hin, die schon gemacht wurden: „Moderne Schwerlast-Lkw sind heute über 60% sparsamer als ein Lkw Mitte der 1960er Jahre. Und sie werden Schritt für Schritt noch sparsamer. Schon heute gibt es Lkw, die bei hoher Auslastung im Fernverkehr lediglich rund einen Liter Diesel je transportierter Tonne auf 100 Kilometer verbrauchen. Weitere CO2-Einsparungen versprechen wir uns von alternativen Antriebsarten.“
Wissmann ging auch auf die aktuelle Abgas-Thematik ein: „Manchem stellt sich die Frage, ob vielleicht auch bei den schweren Lkw nicht alles so ist, wie geprüft. Diese Frage können wir verneinen, denn beim Lkw sind wir im Messverfahren schon einen Schritt weiter. Das liegt an dem unterschiedlichen Zeitplan für die Einführung der Euro-Stufen. Mit der Einführung der Euro-VI-Abgasnorm müssen seit dem 01.01.2013 die Emissionen der Fahrzeuge im realen Betrieb ermittelt werden. Dazu wurde ein Portables Emissionsmesssystems (PEMS) entwickelt. Das heißt: Bei Nutzfahrzeugen ist die Messung der realen Schadstoffemissionen schon Standard.“
„Die faszinierende Entwicklung der Nutzfahrzeug-Technik unterstreicht, dass der Lkw dem Pkw mit Sicherheit nicht nachsteht“, so in seiner Eröffnungsrede auf dem Zukunftskongress Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands DEKRA SE

Clemens Klinke; Foto: DEKRA

Clemens Klinke; Foto: DEKRA

Auf dem Weg zu möglichst immer weniger Getöteten und Schwerverletzten im Straßenverkehr, wie es auch das Ziel der „Vision Zero“ vorsieht, kommt nun mehr und mehr das autonome Fahren ins Spiel. Dass dies längst keine Zukunftsmusik ist, machte der Vortrag von Georg Stefan Hagemann, Leiter Vorentwicklung Gesamtfahrzeugkonzepte der Daimler AG, mehr als deutlich. Das im „Mercedes-Benz Future Truck 2015“ (Vorstellung autoreport-pb am 06.07.2014) verbaute System „Highway Pilot“ macht es zum Beispiel möglich, dass der Fahrer nicht dauerhaft die Längs- und Querdynamik seines Fahrzeugs überwachen muss. Neben der Zulassung dieser Fahrzeuge seien nun vor allem auch Versicherungsfragen und der Umgang mit Daten zu klären. Hagemann

Mercedes-Benz Future Truck; Foto: P. Bohne

Mercedes-Benz Future Truck; Foto: P. Bohne

betonte, die Technologie werde nicht mit einem Schlag in Serie gehen, sondern schrittweise über erweiterte Assistenzfunktionen.
Dr. Stephan Demmerer, Leiter Strategie & Portfolio im Geschäftsfeld Lkw- und Van-Antriebstechnik der ZF Friedrichshafen AG, erläuterte am Beispiel des 25,25 Meter langen „ZF Innovation Truck“, welche Möglichkeiten für Hersteller, Logistikunternehmen und Fernfahrer aus der neuartigen Vernetzung fortschrittlicher Getriebe-, Lenk- und Telematiksysteme erwachsen.

Runter mit dem Verbrauch und den Schadstoffemissionen
Welchen Stellenwert auch die intensiven Bemühungen der Fahrzeughersteller und Zulieferer einnehmen, Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen immer weiter zu reduzieren, wurde auf dem DEKRA Kongress allein schon daran deutlich, dass gleich zwei Sessions diesem Themenbereich gewidmet waren. Dr. Manfred Schuckert, Leiter Global Regulatory Stategy bei der Daimler AG, wies darauf hin, dass die hierfür notwendigen kostenintensiven technischen Lösungen unbedingt auch von der Politik in der Neuregelung bestehender Gesetze berücksichtigt werden müssten. Neue Regelungen dürften nicht dazu beitragen, die finanziellen Belastungen für Industrie und Endkunden immer noch weiter zu erhöhen.
Warum sich Euro 6 lohnt, zeigte anschließend Joachim Fehrenkötter auf. Der geschäftsführende Gesellschafter der Fehrenkötter Transport & Logistik GmbH zog eine Zwischenbilanz des mit der Zeitschrift „trans aktuell“ durchgeführten Praxistests mit sieben Euro-6-Lkw im Vergleich zur früheren Euro-5-Flotte. Ergebnis: 33,9 zu 31,7 l/100 km.

Roland Klement, Mitglied des Vorstands Forschung & Entwicklung der Schmitz Cargobull AG, gab Ausblicke auf die Zukunft der Transportwelt und betonte, dass auch die Trailerhersteller intensiv an Möglichkeiten zur weiteren Gewichtsreduzierung arbeiten. Effizienzpotenziale sieht er nicht zuletzt in Aerodynamikmaßnahmen am Trailer, die seiner Ansicht nach auch vergleichsweise einfach umzusetzen sind (siehe auch Schmitz Cargobull Mecklenburg GmbH & Co. KG, Dorfstraße 77, 19230 Toddin)
.
Inwiefern moderne Premiumreifen einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit und Sicherheit von Nutzfahrzeugen leisten, war das Thema von Dr. Frank Walloch, Leiter Entwicklung Nutzfahrzeugreifen EMEA der Continental Reifen Deutschland GmbH. Zukunftsweisende Technologien und Innovationen würden dabei deutliche Fortschritte in Sachen Computersimulation, Material, Recycling und Runderneuerung sowie alternativen Rohmaterialquellen ermöglichen. „Moderne Premiumreifen leisten mehr“.

Telematik
Ob Navigation, Tourenplanung, Fahrzeugortung, Dokumentation der Standzeiten, Nachrichtenaustausch zwischen Disponent und Fahrer, Analysen des Kraftstoffverbrauchs, Wartungsmanagement und vieles mehr: Telematiksysteme sind für ein effizientes Flottenmanagement längst zu unverzichtbaren elektronischen Helfern geworden. „Optimal und konsequent angewandt, tragen sie in hohem Maße zur Wirtschaftlichkeit eines Fuhrparks bei“, sagte Clemens Klinke, Mitglied des Vorstands DEKRA SE und verantwortlich für die Business Unit Automotive, auf dem ersten DEKRA Zukunftskongress Nutzfahrzeuge in Berlin. Das Thema Telematik war bei der zweitägigen Veranstaltung eine wichtige Säule. Zahlreiche Beiträge von Herstellern und Zulieferern, aus der Wissenschaft  sowie von Praktikern aus dem Transportgewerbe untermauerten dabei die mittlerweile große Zahl an Anwendungsmöglichkeiten. „Der Kongress hat nachhaltig deutlich gemacht, welches Potenzial in der Telematik steckt und an welchen Stellschrauben Transportunternehmer und Spediteure drehen können, um ihren Fuhrpark für die Herausforderungen der Zukunft fit zu machen“, so Clemens Klinke.

Deutscher Telematik Preis 2016
Prof. Dudek war zugleich Vorsitzender der Experten-Jury im Rahmen der Verleihung des vom ETM Verlag ausgelobten Deutschen Telematik Preises 2016 in sechs Kategorien. Den ersten Platz bei der „OEM-Telematik für Lkw“ sicherte sich Scania, der Preis in der Kategorie „Nachrüst-Telematik für Lkw“ ging an Couplink. Die weiteren Preisträger: TomTom (leichte Nutzfahrzeuge), GPSoverIP (Sonderfahrzeuge), Schmitz Cargobull (Trailer) und Agheera (Container und Wechselbrücken). Der Schwerpunkt der von der DHBW zur Bestimmung der Preisträger durchgeführten Analysen lag auf der Untersuchung der Gebrauchstauglichkeit der Systeme. Foto (3): DEKRA (2), P. Bohne