Um effektiv Unfallschwerpunkte im täglichen Verkehrsgeschehen zu eliminieren, sind völlig neue Ansätze erforderlich. Gekoppelt mit Informationen aus dem Fahrzeugumfeld können aktive Sicherheitssysteme erhebliche Potenziale zur Verbesserung der Verkehrssicherheit eröffnen. Im DEKRA-Symposium 2010 informierte Mercedes zum Entwicklungsstand des Active Brake Assist.

saftytrack.jpgAltensteig/Wart (PM Mercedes/pb): Der Active Brake Assist ist das erste Notbremssystem, das das Potenzial hat, selbsttätig Unfälle zu vermeiden. Mit seiner Markteinführung in 2006 fand eine langjährige Entwicklung ihren Abschluss. Der Brake Assist ist ein selbsttätiges Notbremssystem,  Auffahrunfälle sind mit ca. 30 % aller schweren Unfälle der bedeutendste Unfallschwerpunkt für schwere Nutzfahrzeuge in Mitteleuropa.
Mercedes-Benz führt im Schwer-Lkw Actros die zweite Generation des Active Brake Assist ein. Dieses bisher einzigartige und vielfach preisgekrönte Sicherheitssystem kann nun noch mehr: Leitete es bisher vor langsamer vorausfahrenden Hindernissen bei Gefahr eines Auffahrunfalls automatisch eine Bremsung ein, so wird der Active Brake Assist 2 nun auch vor stehenden Hindernissen aktiv. Der Active Brake Assist, auch Notbrems-Assistent genannt, hat bisher in mehr als 14.000 Lkw und über mehr als drei Milliarden Kilometern auf den Straßen Europas seine Leistungsfähigkeit überzeugend in der Praxis unter Beweis gestellt.
Zahlreiche Lkw-Fahrer berichten inzwischen von Situationen, in denen sie das Sicherheitssystem vor einem Unfall bewahrt hat. Experten sind sicher: Der Active Brake Assist hat Menschenleben gerettet – im Sinne des Partnerschutzes nicht nur in Lkw, sondern auch in vorausfahrenden Fahrzeugen.
Auch verschiedene Versicherungen sind inzwischen überzeugt davon, dass dieses System für den Kunden und damit letztendlich für sie selbst wirtschaftlich ist. Es gibt Prämiennachlässe, wenn Nutzfahrzeuge mit solchen Techniken ausgestattet sind.

Während des normalen Betriebes wird der Verkehr vor dem Lkw kontinuierlich beobachtet. Aus der Vielzahl der beobachteten Ziele wird unter Berücksichtigung der Historie ein Verkehrsszenario entwickelt, wobei relevante Ziele herausgearbeitet werden. Relevante Ziele sind solche, die als vorausfahrende oder stehende Fahrzeuge erkannt werden und deren Abstand sich verringert. Damit ein Ziel als relevant erkannt werden kann, hat es eine Vielzahl von Einzelkriterien zu erfüllen. Filterkriterien vermeiden, dass Scheinziele wie Reflexionen an Leitplanken oder Regen relevant werden; geometrische Kriterien stellen sicher, dass nur Ziele relevant werden, die sich in einem schmalen Fahrschlauch vor dem Fahrzeug befinden. Weitere Kriterien sichern ab, dass nicht durch ein Fehlverhalten des Sensors selbst Scheinziele relevant werden. Stehende und entgegenkommende Ziele werden zur Stützung einer Spurprädiktion herangezogen.
Die Spurprädiktion ist Voraussetzung zur Berechnung des zuvor benannten Fahrschlauches. Wenn unter diesen Voraussetzungen, die erheblich schärfer sind, als bei der Aufnahme eines Zieles für den Abstandsregel- tempomaten, ein Ziel relevant wird, wird dieses beobachtet, um die Verkehrssituation im Hinblick auf einen Auffahrunfall zu beurteilen. Wird eine für einen Auffahrunfall kritische Verkehrssituation beobachtet, erfolgt zunächst eine optische und akustische Warnung. Dabei werden Radio und Telefon stumm geschaltet, um die Aufmerksamkeit auf die drohende Unfallsituation zu unterstützen. Bleibt eine beobachtbare Fahrerreaktion aus und entschärft sich die Situation nicht, folgt eine haptische Warnung mit einer Teilbremsung von 3 m/s², was 50 % der möglichen Bremskraft eines LKWs entspricht.

Mit der Ansteuerung der Bremslichter wird gleichermaßen der Nachfolgeverkehr vorgewarnt. Bleibt eine Fahrerreaktion weiterhin aus und die Verkehrssituation bleibt kritisch, wird auf ein bewegtes Hindernis
die Vollbremsung nach einer Warnzeit von mindestens 2 s ausgelöst.
Der Active Brake Assist reagiert im derzeitigen Entwicklungsstand sowohl auf bewegte als auch auf stehende Ziele, welche auf der eigenen Fahrspur erkannt werden. Eine Reaktion auf Gegenverkehr findet gänzlich nicht statt. Foto: P. Bohne